In seiner Ansprache vor dem Exekutivrat des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen am Montag in Rom stellte Papst Leo XIV. eine Frage, die bei Diskussionen über den Welthunger viel zu selten gestellt wird: Nicht, wie man wirksamer eingreifen könne, sondern warum die bestehende Weltordnung überhaupt immer wieder Krisen hervorbringe.
Die Welt von heute könnte ohne Hunger auskommen‘die Kapazitäten zur Nahrungsmittelproduktion seien vorhanden, so der Papst. Doch „Konflikte werden leichter ,genährt’ als Menschen ernährt werden. Diese Realität legt nicht nur operative Defizite offen, sondern auch ein grundlegendes Ungleichgewicht politischer und moralischer Prioritäten“.
Die Krise, so argumentierte er, rühre daher, dass „der Mensch nicht mehr konsequent im Mittelpunkt des internationalen Handelns steht“. Grundlegende menschliche Bedürfnisse – „Nahrung, Wasser und Gesundheitsversorgung – dürfen nicht wirtschaftlichen Erwägungen oder geopolitischen Interessen untergeordnet werden…Der Zugang zu ausreichender Nahrung ist ein grundlegendes Menschenrecht, das in der Würde jedes Einzelnen verankert ist. Die Gewährleistung dieses Rechts lindert nicht nur Leid, sondern bekämpft auch die zugrunde liegenden Ursachen geopolitischer Instabilität. Tatsächlich ist Ernährungssicherheit ein wesentlicher Bestandteil globaler und ganzheitlicher Sicherheit.“
Der Papst brachte die Strukturfrage direkt auf den Punkt. Krisen, so stellte er fest, hätten sich „von isolierten Ereignissen zu dauerhaften Realitäten“ chronischer Ernährungsunsicherheit und sozialer Konflikte entwickelt, und „daraus ergibt sich eine grundlegende Frage: Welche globalen Strukturen sind in der Lage, solche Bedingungen hervorzubringen, aufrechtzuerhalten und mitunter sogar zu normalisieren? Die Herausforderung besteht längst nicht mehr allein darin, wie man interveniert; es geht vielmehr darum zu verstehen, warum das System fortwährend genau jene Probleme erzeugt, die es anschließend zu beheben gezwungen ist.“
Hunger, so fuhr er fort, untergrabe den sozialen Zusammenhalt, erhöhe das Konfliktrisiko, schüre Zwangsmigration und schwäche die Fähigkeit der Staaten, widerstandsfähige Institutionen und eine nachhaltige Entwicklung aufzubauen – wodurch „Kreisläufe der Fragilität, die letztlich die gesamte internationale Gemeinschaft betreffen“, verfestigt würden. Humanitäres Handeln sei in diesem Licht „kein Randaspekt der internationalen Ordnung“, sondern der Prüfstein dafür, ob diese Ordnung „die jedem Menschen innewohnende, von Gott gegebene Würde“ anerkenne.
Papst Leo rief zu einer erneuerten multilateralen Zusammenarbeit in einer, wie er es nannte, „zunehmend fragmentierten und multipolaren Welt“ auf, in der kein einzelner Staat globale Herausforderungen allein bewältigen könne. „Ein solcher Ansatz erfordert einen festen politischen Willen, der in der Lage ist, kurzfristige Perspektiven zu überwinden und in globale öffentliche Güter zu investieren“, sagte er.
„In diesem Geist möchte ich an die Regierungen und Völker der Welt appellieren, ihr Engagement zu erneuern und zu verstärken, die Mittel zur Bekämpfung des Hungers und seiner Ursachen aufzustocken und die Hindernisse zu beseitigen, die verhindern, dass die Hilfe diejenigen erreicht, die sie benötigen.“
Quelle: eirna.de