Blow
★★★★

Rewatched 28 May 2022

Rewatch als Blu-ray | Amaray mit Schuber | HD | Studiocanal 

"Life passes most people by while they're making grand plans for it“

Diese Worte erinnern, leicht abgewandelt, an das berühmte Zitat von John Lennon. Regisseur Ted Demme (NO PANIC-GUTE GEISELN SIND SELTEN) verfilmte die wahre Geschichte von George Jung aka Boston George (im Film verkörpert von Johnny Depp), der in den 1970ern/1980ern zu den größten Drogen-Importeuren der USA zählte. 

BLOW (2001) ist ein Film, der mich ein Jahr später stark beeinflusst hat. Die DVD mit Pappschuber aus dem Hause Kinowelt, die Soundtrack CD und auch ein Poster hatten einen festen Platz in meiner Wohnung. 
BLOW ist smart, sexy und schnell. Johnny Depp verkörpert George Jung hervorragend. Die Nebendarsteller sowie der Soundtrack sind sehr gut. 

Eines der kleinen Probleme des ansonsten sehr guten und unterhaltsamen, aber niemals überragenden Films ist, dass er sich trotz seiner zwei Stunden Laufzeit zu wenig die Zeit nimmt, die Menschen in Jung‘s Leben intensiver in den Film zu integrieren und sie zu beleuchten. Zu viel wird gestreift. Zu wenig intensiviert. Wesentlich schwerer wiegt hingegen, dass der Film selbst George Jung selbst heroisiert, seinen Werdegang eher verharmlost und so die Figur zu wenig kritisch hinterfragt. Der Film schwingt sich nicht dazu auf zu moralisieren (und das möchte diese Review ebenfalls vermeiden). Versteht mich nicht falsch: George Jung’s Werdegang schreit geradezu nach einer Verfilmung. Aber bei mehreren Drogentoten, Kriegen und Kämpfen, durch die viele Menschen jährlich ihr Leben liessen und immer noch lassen, darf vielleicht die Frage erlaubt sein, warum Ted Demme George Jung hier ein so geradezu prächtiges, filmisches Denkmal setzt. 

Der leider im Mai 2022 verstorbene Ray Liotta ist exzellent als Vater. Selten hat ein Film -vielleicht seit FELD DER TRÄUME (1988)- so sehr die emotionale Seite von Liotta eingefordert. 
Ich wünschte, das könnte ich auch über die anderen Co-Stars sagen: Franka Potente‘s Part und US-Debüt bleibt blass. Ihre Rolle als Barbara Buckley und love interest bleibt zu uninteressant, als das es den Zuschauer berührt. Rachel Griffith’s Rolle als George Jung’s Mutter ist geradezu erschreckend eindimensional und Jordi Mollà weckt zwar das Interesse des Zuschauers, wird aber zu schnell fallen gelassen. Dafür darf Paul Reubens hier stark aufspielen. Er hinterlässt bei mir nach Johnny Depp und Ray Liotta beim Cast den grössten Zuspruch. Penélope Cruz sorgt für den Sex Appeal. Sie harmoniert sehr gut mit Depp. Davon profitierte später auch FLUCH DER KARIBIK 4. Allerdings gibt ihr die Rolle wenig zu tun. Regisseur Pedro Almodavar hätte wohl besser verstanden die spanische Aktrice zu fordern. Bei Ted Demme ist sie sexy und zickig. Mehr nicht. 

Kokain. 
Die Droge deines Egos.

Was den Film so gut macht, ist sein smarter Flow aus Cast, Musik, Styles, Frisuren, Partys und Sex. Ted Demme zieht den Zuschauer in einen Strudel von Ereignissen. Freilich jedoch selten so, dass es auch das Herz des Zuschauers berührt. Es hat den Anschein, als würde der Film es geradezu darauf anlegen vermeiden zu wollen, eine gewisse Tiefe zu vermeiden. Dennoch: Ich bin auch nur ein Mensch und kann mich der Wirkung nicht entziehen. 
BLOW ist ziemlich sexy und zu keiner Sekunde langweilig. 

Am Ende überwiegt in BLOW die Melancholie etwas zu lang. Das Schlußbild fordert Betroffenheit beim Zuschauer ein, die der Film jedoch zuvor nicht gewillt war dem Zuschauer mit emotionalen Szenen zu vermitteln. Der Film ist dennoch mitreissend. Johnny Depp hält den Film fest in seinen Händen. Keine einzige Szene des Films kann und will ohne ihn auskommen.

Ted Demme verstarb kurz nach dem Film am 13. Januar 2002 mit 38 Jahren bei einem Promi-Basketballspiel an einem Herzinfarkt. Die spätere Diagnose lautete Herzstillstand. Bei einer Autopsie fand man Kokainspuren in seinem Körper. 
Es besteht für mich kein Zweifel daran, dass Ted Demme durch BLOW in Hollywood die Treppen hoch gefallen wäre, hätte nicht sein früher Tod das verhindert. Mit Schauspieler Denis Leary (WAG THE DOG) verband ihn eine tiefe Freundschaft. Leary veredelte u.a. Demme’s Filme wie WHO‘S THE MAN (1993), den abartig lustigen NO PANIC (1994) sowie den Thriller MONUMENT AVE. (1994). Auch Denis Leary’s bitter-böses Bühnenprogramm NO CURE FOR CANCER (1992) als Stand-up Comedian wurde von Ted Demme in einem sehenswerten Dokumentarfilm festgehalten. Bei BLOW war der Schauspieler als Produzent beteiligt. 
So verbleiben Ted Demme’s Film NO PANIC-GUTE GEISELN SIND SELTEN aka THE REF (noch immer eine meiner Lieblingskomödien) sowie BLOW auch weiterhin in meinem Herzen. 

Abschliessen möchte ich mit den Worten von Ray Liotta im Film: 

may the wind always be at your back,
the sun upon your face
And may the winds of destiny carry you aloft,
to dance with the stars. 

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