März 2026:
Das kommt mir in die Tüte
Während heute das Gehalt einmal monatlich auf ein Bankkonto überwiesen wird, erfolgte die Auszahlung bis in die 1960er-Jahre hinein oftmals noch in bar in Papiertüten mit aufgedrucktem Lohnzettel. Seit Ende des 19. Jahrhunderts und der Zunahme großer Fabriken mit hohem Arbeitnehmer-Anteil hatte sich diese Lohnauszahlung für die meisten Arbeitgeber etabliert. Damalige Sozialabgaben, wie etwa das Krankengeld und die Arbeitslosenversicherung, wurden auf der Lohntüte festgehalten. Wie bei der Maschinenfabrik Mühleissen in Wuppertal-Elberfeld erfolgte die Auszahlung damals oft noch wöchentlich. Der Stundenlohn von 76 Pfennig auf unserer Lohntüte von 1931 entspricht einem damaligen niedrigen bis durchschnittlichen Industriearbeiter-Stundenlohn. Wahrscheinlich war der Besitzer der Lohntüte aber überhaupt froh, noch eine Arbeit zu haben. In Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929 lag die Arbeitslosenzahl in Deutschland noch zwei Jahre später bei etwa 4,5 Millionen Menschen, das entsprach damals etwa 22 Prozent der Bevölkerung.
Bild: Lohntüte der Maschinenfabrik Mühleissen in Wuppertal-Elberfeld, 1931, LVR-Freilichtmuseum Lindlar (2014-453).